Hallo, Welt! Wir sind das Team hinter Cozystack, einer Open-Source-Plattform für den Aufbau von Clouds auf eigener Hardware. Wir möchten erklären, warum wir uns entschieden haben, Gameserver ins Visier zu nehmen, und was daraus geworden ist.

Was ist Cozystack
Cozystack ist eine Plattform, die gewöhnliche Server in eine vollwertige Cloud verwandelt. Das Projekt gehört zur CNCF Sandbox, steht unter der offenen Lizenz Apache 2.0 und wird auf Bare-Metal-Servern installiert.
Von Haus aus bringt die Plattform mehr als 20 Managed Services mit: Datenbanken (PostgreSQL, MariaDB, MongoDB usw.), Message Queues (Kafka, RabbitMQ), Caching (Redis), S3-Storage, virtuelle Maschinen, Kubernetes-Cluster, Netzwerk und Load Balancer. Alles läuft direkt auf der Hardware, ohne zusätzliche Virtualisierungsschichten.
Warum Gameserver
Wir haben recherchiert und eine stabile Nachfrage gesehen: Hosting-Provider und Gaming-Communities suchen nach Alternativen mit vorhersehbarer Performance, ohne Bindung an einen bestimmten Anbieter und ohne komplizierte Lizenzierung.
Gameserver gehören zu den anspruchsvollsten Workloads überhaupt: Die Latenz muss minimal sein, die Last schwankt unvorhersehbar, und die Server müssen zuverlässig voneinander isoliert sein. Genau für dieses Szenario ist Cozystack gut geeignet.
Wer schon einmal Gameserver in der Cloud betrieben hat, kennt das Problem: Noisy Neighbors, unvorhersehbarer Jitter und Latenzspitzen. Virtualisierung fügt eine Schicht hinzu, die bei Business-Anwendungen unsichtbar bleibt, in Spielen aber sofort auffällt. Cozystack läuft auf Bare Metal: Ein Server erhält dedizierte Ressourcen, Netzwerkpakete werden so nah wie möglich an der Hardware verarbeitet, und die Daten werden über Nodes hinweg repliziert, sodass der Ausfall eines Servers nicht den Verlust der Spielwelt bedeutet.
Wir haben uns angesehen, was die Plattform bereits mitbringt, und festgestellt, dass der Großteil der Infrastruktur fertig war. S3 für Karten und Assets. Datenbanken für Spielerdaten und Statistiken. Redis für Sessions. Message Queues für die Kommunikation zwischen Servern. Load Balancer, VPN, geplante Backups. Es fehlten nur noch die Spiele selbst.
Wie es funktioniert
Cozystack hat einen External-Apps-Mechanismus, um externe Anwendungs-Repositories anzubinden. Nach dem Release von v1.0 wurde er grundlegend überarbeitet: Die Plattform ist auf eine paketbasierte Architektur mit den Ressourcen Package und PackageSource umgestiegen, die der cozystack-operator verwaltet. Im Grunde funktioniert das wie apt unter Debian, nur für Kubernetes:
- Anwendungen werden als Helm-Charts paketiert und als OCI-Artefakte veröffentlicht
- Jede Anwendung wird über eine ApplicationDefinition beschrieben — ein CRD, das automatisch im Dashboard erscheint
- Der Nutzer stellt einen Server über UI oder API bereit, genau wie jeden anderen Managed Service
- Die Plattform verwaltet den Lebenszyklus: Updates, Backups, Monitoring
Jeder kann einen eigenen Anwendungskatalog zusammenstellen und an Cozystack anbinden, ohne den Kern anzufassen.
Cozylex: Die erste Umsetzung
Den ersten Schritt machte das Repository cozylex, vorbereitet von unserem Entwickler Aleksei Sviridkin, das einen Managed-Minecraft-Server umsetzt:
- MinecraftServer — ein CRD für PaperMC-Server mit automatischen Updates, Backups und Ressourcenlimits
- MinecraftPlugin — ein CRD zur Installation von Plugins aus Hangar mit automatischen Updates
- Plugins werden deklarativ über Label-Selektoren an Server gebunden
Die Anbindung an einen Cluster dauert ein paar Minuten, danach erscheint Minecraft im Marketplace neben PostgreSQL und Redis.
Wie es weitergeht
Wir wollen diesen Ansatz ausbauen und daraus eine eigene Linie machen — die Game Server Edition. Kurzfristig planen wir, den Minecraft-Server als offizielles Beispiel einer einbindbaren Anwendung zu übernehmen und die Dokumentation zu aktualisieren. Danach folgen Counter-Strike, Rust, FiveM, Factorio und weitere.
Zusammengefasst
Gameserver sind ein guter Belastungstest für eine Plattform. Wer eine Workload mit strengen Anforderungen an Latenz und I/O zuverlässig stemmt, stemmt alles.
Die Architektur von Cozystack erlaubt es, neue Diensttypen hinzuzufügen, ohne die Infrastruktur neu zu erfinden. Alles, was für den Betrieb nötig ist — Backups, Monitoring, Netzwerk, Storage —, ist von Haus aus vorhanden.
Wir freuen uns über Mitwirkende. Mit dem External-Apps-Mechanismus lassen sich Anwendungen hinzufügen, ohne den Kern der Plattform zu verstehen — Kenntnisse in Helm und Kubernetes genügen.
Links:
Dieser Beitrag ist eine deutsche Fassung des Artikels Game Servers on Cozystack: No April Fools’ Joke, zuerst erschienen bei Ænix auf Medium.
Wissens-Check: Cozystack für Gameserver
5 questions · ~2 min


