OpenStack ist in Telco- und Behördeninfrastrukturen nach wie vor weit verbreitet. Gleichzeitig steht es unter strukturellem Druck: Der Pool an OpenStack-Engineers schrumpft, die betriebliche Komplexität wächst mit dem Alter eines Deployments, und es gibt Kubernetes-native Alternativen, die es zum Zeitpunkt des OpenStack-Designs noch nicht gab.
Wo OpenStack weiterhin überzeugt
- Deployments im Telco-Maßstab — Tausende Nodes mit telco-spezifischen Funktionen (NFV, DPDK-Integration, SR-IOV, Hochdurchsatz-Networking). Die Expertise ist etabliert, die Herstellerdistributionen sind ausgereift.
- Behörden- und souveräne Clouds — große OpenStack-Deployments im öffentlichen Sektor, in denen OpenStack die per Ausschreibung vorgegebene Plattform ist.
- Bestehende Investitionen — Organisationen, die seit mehr als fünf Jahren mit OpenStack arbeiten und tiefe Expertise aufgebaut haben. Die Kosten einer Migration können die Kosten des Weiterbetriebs übersteigen.
- Bestimmte Funktionen — einige OpenStack-Fähigkeiten (tiefgehende Netzwerkprogrammierbarkeit, spezielle Telco-Features) haben noch keine direkten Kubernetes-Entsprechungen.
Woher der Druck kommt
- Fachkräftemangel — der Pool an OpenStack-Expertise schrumpft. Neue Engineers werden auf Kubernetes ausgebildet, nicht auf OpenStack.
- Wildwuchs an Komponenten — über 30 Services in einem typischen OpenStack-Deployment, jeder mit eigenem Lifecycle, eigenem Upgrade-Rhythmus und eigenen Integrationstests.
- Aufwendige Upgrades — Major-Upgrades von OpenStack sind betrieblich nach wie vor schwergewichtig.
- Zersplitterte Herstellerdistributionen — Red Hat OSP, Mirantis, Canonical und andere, jede mit eigenen Vorstellungen und eigenem Supportmodell.
Modernisierungspfade
Für OpenStack-Betreiber, die über eine Modernisierung nachdenken:
Pfad 1: bleiben und optimieren
OpenStack weiterbetreiben und in die Betriebspraxis investieren (Helm-basierte Deployments, GitOps, Automatisierung). Richtig, wenn die OpenStack-Expertise tief ist und die Kosten einer Migration ihren Nutzen übersteigen.
Pfad 2: Kubernetes auf OpenStack
Kubernetes-Plattformen (Cozystack oder andere) als Tenant auf OpenStack betreiben. Das fügt eine weitere Plattformschicht hinzu; manche Teams halten diesen Weg für einen schrittweisen Übergang trotzdem für praktikabel.
Pfad 3: paralleles Deployment
Cozystack neben OpenStack auf neuer Hardware aufbauen. Workloads Kohorte für Kohorte migrieren. OpenStack stilllegen, sobald die Kohorten abgeschlossen sind. Der häufigste Weg zur vollständigen Modernisierung.
Pfad 4: vollständiges Lift-and-Shift auf Kubernetes
Der aggressive Weg — die OpenStack Control Plane durch ein Kubernetes-basiertes Gegenstück (Cozystack) ersetzen. Höheres Risiko, schnelleres Ergebnis.
Cozystack-Architektur für Teams mit OpenStack-Hintergrund
Einige hilfreiche Entsprechungen:
| OpenStack | Cozystack |
|---|---|
| Nova | KubeVirt |
| Neutron | Cilium |
| Cinder | LINSTOR (DRBD-repliziertes Block-Storage) |
| Swift | SeaweedFS (S3-kompatibel) |
| Keystone | Kubernetes RBAC + Anbindung an den Workforce-IdP |
| Glance | KubeVirt CDI Image Registry |
| Magnum | Nativ — Kubernetes ist die Plattform |
| Heat | Kubernetes-Operatoren + GitOps |
| Horizon | Cozystack Dashboard |
| Ceilometer | VictoriaMetrics + VictoriaLogs |
| Trove | Managed Databases von Cozystack |
| Designate | External-DNS-Operator |
| Octavia | MetalLB / Ingress + Cilium L7 |
Die meisten OpenStack-Engineers empfinden das Betriebsmodell von Cozystack als einfacher — weniger bewegliche Teile, stärker deklarativ, integrierte Observability.
Praktisches Vorgehen bei der Migration
Für eine OpenStack-zu-Cozystack-Migration mittlerer Größe (50–500 Hosts):
- Assessment (14–28 Tage) — bestehendes OpenStack-Deployment, Klassifizierung der Workloads, Zielarchitektur für Cozystack.
- Cozystack-Fundament (1–3 Monate) — paralleles Deployment auf neuer oder umgewidmeter Hardware.
- Migrationskohorten (4–12 Monate) — die Workloads ziehen Kohorte für Kohorte um. Images werden über KVM→KubeVirt migriert.
- Stilllegung von OpenStack — gestaffelt, sobald die Kohorten abgeschlossen sind.
Gesamtdauer: 6–15 Monate, je nach Größe.
Wissens-Check: OpenStack-Modernisierung
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